Es kommt einem vor wie ein Déja-vu. Man sitzt im Theater auf seinem Platz, wartet gespannt auf die Vorstellung. Nach und nach kommen weitere Gäste, suchen ihre Platznummern, setzen sich hin. Alles ist wunderbar. Bis da dieser Typ kommt. Mit orangefarbenen Hosen bringt er die feierliche Runde vollkommen durcheinander. Bonbon-schmatzend schiebt er sich an den anderen Gästen vorbei, beschmutzt gute Anzüge und Abendkleider und steigt schamlos über die Bankreihen. „Was macht der denn hier?“ fragt sich jeder. Bis herauskommt, dass er die Eintrittskarten bei einem Preisausschreiben gewonnen hat. - Alltag? Möglich. Hier allerdings handelt es sich um die bekannte Szene „im Konzert“ von Loriot.

                                 





                                       





  
Was macht der denn hier? 

 

„Hawerländer Kunststücke“ werden zum Publikumsmagnet


Bereits unzählige Male präsentiert der Theaterverein Hawerland e.V. diese und andere legendäre Szenen des Starkomikers. Mit dabei auch die Sketche „das Ei“, „Feierabend“ oder „auf der Rennbahn“. Stücke, bei denen einige Zuschauer schon schmunzeln, wenn sie nur den Namen hören.

Gerade deshalb war es für die Laienschauspieler gar nicht einfach, die Aufführung zu inszenieren. „Jeder kennt die Sketche schon aus dem Fernsehen und hat ganz bestimmte Erwartungen an Mimik und Gestik. Das darf nicht zu sehr verändert werden, um die Erwartung nicht zu enttäuschen“ so Regisseur Johannes Fischer. Gemeinsam studiert er mit den anderen Vereinsmitgliedern die so genannten „Kunststücke“ ein. Vor Aufführungen proben die Theater-Begeisterten bis zu drei mal in der Woche. Mit Erfolg: Die Loriot-Reihe „Wo laufen Sie denn“ war zu allen Vorstellungen restlos ausgebucht.

„Wir haben schon zu jeder Staffel Termine nachgeschoben, wegen der großen Nachfrage“, erzählt der 1. Vorsitzende des Vereins, Werner Schauerte. Der agile Mann Anfang der Fünfziger spielt in der Szene „der Fernsehabend“ den enttäuschten Ehegatten, der nicht weiter weiß, als sich der Flimmerkasten einfach verabschiedet. Ratlos sitzt er mit seiner Frau auf dem Sofa. Beide versichern sich natürlich, dass ihnen die Glotze völlig egal sei. „Das ist schon Riesen-Stress, wenn wir Aufführung haben. Dann bin ich fast gar nicht mehr zu Hause. Aber es macht einfach auch Riesenspaß“ erzählt der Schauspieler, der gleichzeitig Mitinhaber eines Ingenieurbüros ist.

                                                       
       





                                       
  Fernseher kaputt!
  Marina Kompernass und Werner Schauerte
  sind ratlos.


Engagement und Herzensblut

Viel Liebe zum Rollenwechsel und Engagement sind schon gefragt, wenn die Aufführungen zum Erfolg werden sollen. Sicher trägt dazu aber auch die jahrelange Erfahrung der Mitglieder bei. Einige Spieler sind schon seit über 30 Jahren in dem Verein, der 1968 gegründet wurde. In dieser Zeit gab es insgesamt 42 verschiedene Inszenierungen. Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass fast alle Darsteller einem Vollzeit-Job nachgehen.

Die meisten Aufführungen sind Lustspiele oder Märchen. Aber auch ernste Stücke haben die Hawerländer schon gespielt, wie etwa „Meister Jakob“ aus der biblischen Geschichte. Einmal im Jahr – an Karneval - gibt es eine Aufführung in der Schützenhalle Wormbach. Die meisten öffentlichen Darbietungen bekommt das Publikum jedoch neuerdings in der „Theaterschmiede“ zu sehen. Das alte Fachwerkhaus liegt im Herzen des Dorfes, direkt neben der Kirche. Früher diente das kleine Häuschen als Lagerstätte für Korn, später wurde es als Schafstall genutzt. Doch auch im Sauerland ging die Landwirtschaft zurück, und das Haus stand immer häufiger leer. Als 1991 der Hawerländer Theaterverein aus seinen bisherigen Proberäumen in der Wormbacher Grundschule ausziehen musste, wurden sich die Mitglieder mit Franz Biermann schnell einig. Der Besitzer des Stalls überließ den Theaterleuten das Gebäude auf Pacht.




 
 

 



                                                                         
  Der alte Schafstall -
  noch herrscht Ratlosigkeit


Der Schafstall wird zum Blickfang...

Mit der Unterstützung der Stadt Schmallenberg, des Fremdenverkehrsvereins und des Amts für Agrarordnung werkelten im März 1993 einige ehrenamtliche Helfer los, um das alte Gebäude in Schuss zu bringen. Insgesamt waren über 30 Theaterleute, Nachbarn und Mitglieder anderer Vereine mehr als 1000 Stunden mit den Bauarbeiten beschäftigt.

                                                                     

                                                                           








  Gemeinsam schaffen wir's!


Zur Einweihung der „Theaterschmiede“ im Juli 1993 feierte der Verein gleichzeitig sein 25-jähriges Bestehen. In der Eröffnungsrede hieß es: „Ein Stück landwirtschaftlicher Kultur aus dem Jahre 1910 wird nach 80 Jahren zu einem guten Stück dörflicher Kultur überführt“. Das schmucke Häuschen sollte mit seiner großen Fläche im Obergeschoss für Proben des Vereins, für Jugend-Proben, Seminare und als Ausweichmöglichkeit für die Mitglieder des Gesangvereins genutzt werden. „Und auch durchaus für kleine Theateraufführungen“, wie in der Eröffnungsrede noch zu lesen war.

Vorstand des Theaterverein seit 2010:
1.Vorsitzender Werner Schauerte
2. Vorsitzender Uli Grobbel
1. Schriftführer Anke Gerwin
2. Schriftführer Gabi Brunert
1. Kassierer Hubertus Wegener
2. Kassierer Hedwig Bette   
                                                  
Theaterverein Hawerland e.V.
Wormbach
Neue Ennest 2
57392 Schmallenberg
Telefon: 02972 960531

 Weitere Details auch direkt über die Internetseite des Vereins: hawerland-theater.de

                                     




                                                                    










                                


  Die Theaterschmiede –
  heute ein Schmuckstück an der 
  Wormbacher Kirche